Montag, 13. April 2015

Vortrag und Diskussion: Zwölf Pfeiler eines schwachen Nietzscheanischen Transhumanismus – "Gefährlichste Idee der Welt" oder Chance für den Humanismus?

21. April | 18:00 c.t. | Hörsaal 4, Carl-Zeiss-Straße 3 (Uni-Campus)




Transhumanismus ist eine philosophische Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern will, beispielsweise mittels Nanotechnologie, Biotechnologie und Gehirn-Computer-Schnittstellen. Zu den Chancen und Risiken wird Dr. Stefan Lorenz Sorgner einen Vortrag halten. In der anschließenden Diskussion wird Prof. Dr. mult. Nikolaus Knoepffler (Leiter des Ehikzentrums Jena) weitere Impulse setzen.



Nähere Beschreibung des Vortrags: 


» Zwölf Pfeiler eines schwachen Nietzscheanischen Transhumanismus «

Der Politikwissenschaftler und öffentliche Intellektuelle Francis Fukuyama bezeichnete den Transhumanismus als die gefährlichste Idee der Welt.

Aus der Perspektive traditioneller Varianten christlicher und kantischer Philosophien ist dies eine treffende Charakterisierung.

Für Menschen, die den Liberalismus, Naturalismus und die Evolutionstheorien wertschätzen, ist der Transhumanismus eine Grundhaltung, in der sie zentrale Facetten ihres eigenen Denkens wiederfinden.

Die entscheidende Charakteristik des Transhumanismus ist die Bejahung des Nutzens von Technologien zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit der Entstehung des Posthumanen.

Eine von allen Transhumanisten vertretene inhaltliche Beschreibung des Posthumanen gibt es zwar nicht, jedoch stellen Posthumane in jedem Fall eine Art von Weiterentwicklung des Menschen dar. Die prominentesten Varianten hierfür sind die Hoffnung auf eine Silizium-basierte Zukunft, die etwa durch das mind uploading realisiert werden könnte, bzw. die Zielsetzung der Kohlenstoff-basierten Weiterentwicklung, wobei offen bleibt, ob der Posthumane noch Mitglied der menschlichen Art sein wird oder ob er ausschließlich eine Fähigkeit besitzen wird, die über die Fähigkeiten hinausgehen wird, die gegenwärtig lebende Menschen besitzen. Menschen, die sich im Prozess der Weiterentwicklung befinden, werden als Transhumane bezeichnet.

Im Rahmen meines Vortrags werde ich einige philosophische Grundlagen des Transhumanismus erläutern, das Verhältnis vom Transhumanismus zum Humanismus erörtern und zwölf Grundpfeiler meiner Variante eines schwachen Nietzscheanischen Transhumanismus aufzeigen.
(Dr. Stefan Lorenz Sorgner)


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Dr. Stefan Lorenz Sorgner ist Direktor und Mitbegründer des Beyond Humanism Network und Fellow am Institute for Ethics and Emerging Technologies (IEET). Er ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher, unter anderem „Menschenwürde nach Nietzsche“ (WBG 2010). Er ist ein weltweit gefragter Vortragender (TEDx; World Humanities Forum) und ein regelmäßiger Ansprechpartner nationaler sowie internationaler Medien (Die Zeit). Seine Hauptarbeitsgebiete sind Nietzsche, Musikphilosophie, Bioethik und der Meta-, Post- und Transhumanismus.

Weitere Informationen: http://www.sorgner.de/

Prof. Dr. mult. Nikolaus Knoepffler wird anschließend für eine Diskussion zur Verfügung stehen. Er ist Lehrstuhlinhaber für Angewandte Ethik an der FSU Jena und Leiter des Bereichs „Ethik in den Wissenschaften“ der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften sowie Leiter des fakultätsübergreifenden Ethikzentrums (www.ethik.uni-jena.de) desweiteren ist er Inhaber einer Zweitmitgliedschaft in der Medizinischen Fakultät.

Weitere Informationen: http://www.ethik.uni-jena.de/index.php/team/2

Dienstag, 7. April 2015

Was ist denn so schlecht an weltanschaulicher Neutralität des Staates?


Über Ostern glänzte der WELT-Kolumnist Matthias Matussek mal wieder mit dem Beitrag "Was ist denn so schlecht an christlichen Werten?" Darin zieht er so sehr über Atheisten her, dass man ihm einfach einen Spiegel vorhalten muss. Man muss nur wenige Worte in seinem Text ersetzen, um ihn auf den richtigen Kurs zu bringen. Um den Witz der folgenden Zeilen zu erkennen, muss man sich also (leider) erst durch den (kurzen) Artikel von Matussek quälen.

Der Staat muss sich laut Grundgesetz weltanschaulich neutral verhalten. Das Tanzen verbietet er an Karfreitag trotzdem – aus Tradition. Das ist bedenklich. Denn eine Gesellschaft, die es nicht erträgt, dass Nicht- und Andersgläubige feiern, wenn Christen trauern, und die Unglauben nicht ernst nehmen kann, ist krank.

Sonntag, 22. Februar 2015

Ermutigung anlässlich des Todestags von Giordano Bruno

Unser Mitglied Vasko Biermann verfasste anlässlich des Todestags von Giordano Bruno eine "Ermutigung, sich aufklärerischer Werte zu bedienen, um weniger aufgeklärte Menschen für ebendiese zu begeistern und dem Namen der GBS gerecht zu werden."

Liebe Humanisten,

zum 415. Todestag des Namenspatrons der Giordano-Bruno-Stiftung wünsche ich uns allen eine aufgeklärtere und vernunftgeleitete Welt. Möge die eigene Meinung geschützt und die Kritik an der herrschenden Meinung furchtlos sein!

Das Leben und Wirken Giordano Brunos, welches im Zeichen der Anerkennung eines unendlichen Weltalls und der Kritik an der kirchlichen Lehre stand, ist ein hervorragendes Beispiel, das zeigt, dass der Humanismus und die Aufklärung die sogenannten westlichen Werte unserer Gesellschaft geschaffen haben – nicht etwa Kirche oder sonstige religiöse Gemeinschaften. Gegen diese (z.B. Inquisition) mussten und müssen die aufklärerischen Werte teilweise bis heute mühsam erkämpft werden. Für die Durchsetzung des freien Glaubens ließen viele Menschen ihr Leben.

Sich also heute (wie beispielsweise PEGIDA) hinzustellen und zu behaupten, dass diese die christlich-(jüdischen) Werte des Abendlandes zu verteidigen wüssten, ist eine bodenlose Frechheit und ungerechtfertigte Verdrehung der Geschichte der Aufklärung, die mit viel Blut und Leiden gegen eben diese christlichen "Werteschöpfer" erkämpft werden musste.

Dennoch darf meiner Meinung nach eine Meinungsäußerung der PEGIDA-Demonstranten, die ich nicht teile, niemals verboten werden. Behauptungen/Forderungen sollten allerdings möglichst sachlich und konstruktiv erläutert und "aufgeklärt" werden, um Falschaussagen oder auch bewusste Lügen zu enttarnen und einzuordnen. Die harterkämpften aufklärerischen Werte dürfen nicht durch glänzendes Fehldeuten in den falschen Rahmen gebracht werden.

Kirchliche Einrichtungen sind (in aller Regel) keine Aufklärer, sondern Dogmatiker. Sie vertreten im Sinne des griechischen Wortes "dogma" Leitsätze, Meinungen (der Kirche), Beschlüsse und Verordnungen. Ich möchte meine Meinung aber nicht verordnet bekommen und kann mir schwer vorstellen, dass ich durch Nachahmen von Beschlüssen zu einer freien Willensbildung gelangen kann.
Die aufklärerischen Grundsätze – von der eigenen Mündigkeit, dem Grundgedanken der Vernunft, der gewünschten Vorurteilslosigkeit, der umfassenden Bildung, der Kritikausübung, der (insbesondere religiösen) Toleranz, der Anerkennung von Naturgesetzen – laufen dieser belehrenden Sichtweise (die vor allem die katholische Kirche vertritt) zuwider.

Wir sollten alle froh sein, dass es uns heute möglich ist, frei und eigenverantwortlich zu denken und zu entscheiden, dass die Vernunft und die Wissensfreudigkeit unser Handeln leiten und wir tolerant gegenüber "Andersgläubigen" (um diesen äußerst unschönen Begriff zu verwenden) und "Andersmeinenden" sind. Wir erfreuen uns ihrer persönlichen Meinung und tauschen uns vorurteilsfrei mit ihnen über Meinungsunterschiede und -gemeinsamkeiten aus. Kritisieren ihre unpassenden Äußerungen und erklären ihnen von Mensch zu Mensch warum uns das oder jenes zuwider läuft. Das ist eine wahre Errungenschaft, die wir pflegen sollten, auf die wir uns tagtäglich berufen sollten.

So können wir sie möglicherweise von unserer Denkweise überzeugen oder ihnen diese zumindest nahebringen. Mehr können wir nicht tun, denn sonst begeben wir uns in die Rolle des Oberlehrers, der alles besser zu wissen scheint, der für den zu überzeugenden Schüler allerdings oft einschüchternd und rechthaberisch wirkt. Der Besserwisser stellt sich einer freiwilligen, aus Interesse und Überzeugung geschaffenen Auseinandersetzung mit den aufklärerischen Idealen in den Weg.

Wir sollten diesem Beispiel nicht folgen, sondern am eigenen Erfolg festhaltend, guten Gewissens unsere Botschaft übermitteln, Zuversicht schaffen, Hoffnung schüren auf eine aufgeklärte Welt.
Schneller als gedacht werden wir dann alle merken, dass das Ziel, die aufklärerischen Ideale bekannter zu machen, uns viel näher gekommen ist. Damit wird dann auch in Debatten stärker über diese Ideale nachgedacht und die gesellschaftliche Teilhabe der Aufklärung wird sich verstärken.

Um Giordano Bruno gerecht zu werden, sollten wir diesem Gedanken folgen und seine Leistungen würdigen. Denn ohne sein Wirken und das Schaffen seiner geistigen Brüder und Schwestern ständen wir heute in einer anderen Welt und hätten nicht dieselben Möglichkeiten zur Verfügung.
Bruno ist 1600 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, um den Einfluss seiner Ideen einzudämmen. Wir sollten uns diesem Zweck gegenüber stellen und die Ideale von Aufklärung und Humanismus pflegen und bereichern. So kann es uns gelingen fehlgeleiteten, halbwissenden Zeitgenossen entgegen zu wirken und Bildung, Vernunft und Toleranz im heutigen Denken zu verankern.

Vasko Biermann

Weitere Informationen über Giordano Bruno findet ihr im Kalenderblatt des hpd.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Presse-Echo zum Templiner Schilderstreit

Angesichts der enormen Berichterstattung über die Gottesdiensthinweisschilder der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland" kann man leicht den Überblick verlieren. Daher findet ihr hier chronologisch sortiert eine Sammlung des Presse-Echos.

Montag, 2. Februar 2015

Ethik- statt Islam-Unterricht in Thüringen


Unsere befreundete gbs-Regionalgruppe Mittelthüringen spricht sich in einer Pressemitteilung zu recht gegen die Forderung des Erfurter Imams Abdullah Dündar aus, islamischen Religionsunterricht an Thüringer Schulen einzuführen. Sie appelliert stattdessen an die Landesregierung, Religion im 21. Jahrhundert endlich als das zu behandeln, was sie ist: Privatsache!
Die Stellungnahme kann hier nachgelesen werden.
Interview in "junge welt" vom 27. Januar 2015
Interview mit Radio F.R.E.I. vom 29. Januar 2015

Freitag, 23. Januar 2015

Salman Rushdie über Gedankenfreiheit:


Salman Rushdie ist ein weltweit bekannter indisch-britischer Schriftsteller. Er wird seit 1989 mit einer Todes-Fatwa bedroht, weil er einen harmlosen Roman geschrieben hat, der von indischen Immigranten in Großbritannien handelt und dabei Figuren und Begriffe verwendete, die Ähnlichkeiten mit Persönlichkeiten bzw. Gegebenheiten aus der koranisch-/islamischen Geschichte aufweisen.

Montag, 12. Januar 2015

Stellungnahme zur Gedenkveranstaltung "Je suis Charlie"


Foto: © Markus Kämmerer, Happy Arts Fotodesign, blog.happyarts.de

Wir möchten uns zunächst bei allen Teilnehmern für ihr Kommen bedanken. Mit so vielen Menschen hatten wir nicht gerechnet und wir haben uns auch sehr über die Dankesbekundungen für die Organisation dieser Versammlung gefreut.

Leider waren von den rund 200 Teilnehmern einige (u. a. auch 2 Mitglieder unserer Gruppe) mit dem Verlauf der Veranstaltung nicht einverstanden. Dies bedauern wir sehr und auch an uns ist die Diskussion nicht spurlos vorübergegangen. Unserer Hochschulgruppe wurde zum einen vorgeworfen, dass wir überhaupt eine Rede gehalten haben, als auch dass der Inhalt der Rede nicht angemessen gewesen sei. Möglicherweise erschien einigen auch die Wortwahl an manchen Stellen der Rede unglücklich. Doch die Rede wurde spontan, ohne Skript oder Vorbereitung gehalten. Schließlich wurde uns von einigen Besuchern sogar eine Nähe zur PEGIDA-Bewegung unterstellt. Gemessen an der Schwere der Vorwürfe möchten wir uns zu diesen Punkten äußern: